Am Anfang war eine Lüge

Wie eine einzelne Person Hunderttausende ins Chaos und Verderben stürzte

Ein Beitrag von Florin G.

04.12.2020

Am 22. März 2003 wurde der Irak von einer "Koalition der Willigen" angegriffen und anschliessend besetzt. Soviel wissen die meisten Menschen, aber warum griff man den Irak überhaupt an? Einige würden sagen, dass Saddam Hussein ein Terrorist war oder dass er Massenvernichtungswaffen einsetzen wollte. Von letzterem weiss man, dass es mit Sicherheit nicht stimmt.

Im Jahr 2001 wurde George W. Bush als 43. Präsident der USA vereidigt. Im September wurden die Vereinigten Staaten in ihren Grundfesten erschüttert. Die Anschläge vom 11. September gelten als Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts. Die Folgen dieses Terrorakts sind heute noch spürbar, wohl eher die Gesetze, die daraus resultierten, aber dennoch. Als Reaktion auf 9/11 schuf der amerikanische Kongress den "USA PATRIOT Act". Er wurde am 26. Oktober 2001 von Präsident Bush unterschrieben und damit in Kraft gesetzt. Die Gesetzesvorlage erleichtert der Regierung Ermittlungen zur Terrorverhinderung oder Aufklärung. Als weitere Reaktion marschierte Bush in Afghanistan ein. Der "War on Terror" wurde als alles rechtfertigendes Mittel eingesetzt und einige europäische Staaten, allen voran Tony Blair's Grossbritannien zogen mit in den Krieg.

In der Bush-Administration gab es eine Reihe von Neokonservativen, darunter Vize Dick Cheney oder auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Ihre Ideologie war getrieben von einem Herrschaftsanspruch der USA über die Welt. Es ging darum, die Vereinigten Staaten als Hegemonialmacht zu stärken und den Einfluss weiterauszudehnen.

Demzufolge gab es einige Staaten, die den "Neocons" ein Dorn im Auge waren. Einer davon war der Irak. Das Mittel der Wahl war ein "Regime Change". Also sollten die USA, wenn nötig mit Gewalt, die Regierung im Irak "entfernen".

Aus Sicht der Machthaber im Weissen Haus war es nötig, zum Wohle aller, Saddam Hussein von seinem Amt zu entheben. Es wäre ein "Präventivkrieg", um die Bedrohung auszuschalten, bevor sie wirklich gefährlich werden würde. Man musste aber die Öffentlichkeit mit an Bord haben, ansonsten würde es schwierig werden, einen Krieg zu rechtfertigen. Also suchte die US-Regierung mithilfe ihrer Geheimdienste nach Gründen, um den Irak anzugreifen.


Zur gleichen Zeit wurde der Deutsche Bundesnachrichtendienst auf einen Mann aufmerksam, der als Flüchtling aus dem Irak nach Deutschland gekommen war. Er war Chemiker und gab an, dass er gezwungen wurde, an Massenvernichtungswaffen zu arbeiten. Der BND versprach dem Mann, Rafed Ahmed Alwan, Geld für seine Informationen. Um seine Angaben zu überprüfen, holte man Informationen aus seinem früheren Umfeld ein. Seine ehemaliger Chef und seine Mitarbeiter wurden befragt und es wurde schnell klar, dass Alwan nicht die Wahrheit erzählt hatte. Er war nicht mal in Bezug auf seine Biographie ehrlich. Man liess ihn fallen.

Durch einen Zufall fielen die Akten der CIA in die Hände. Sie waren auf der Suche nach genau so einem Zeugen. Die Warnungen des BND wurden ignoriert und Alwan wurde unter dem Decknamen "Curveball" zum Kronzeugen.

Rechts ist zu sehen, wie "Curveball" die mobilen Produktionsanlagen beschrieb. Mit dieser Graphik begründete US-Aussenminister Colin Powell einen Präventivkrieg gegen den Irak. 76 Minuten lang erklärte er dem UNO-Sicherheitsrat mit vermeintlichen Beweisen die Notwendigkeit dieses Kriegs.

Zusätzlich wurde Saddam Hussein Mittäterschaft bei den Anschlägen vom 11. September vorgeworfen. Der Sicherheitsrat war skeptisch und sah keinen Grund, eine Resolution zu verfügen. In der UNO-Charta gibt es denn auch kein Recht auf einen Präventivkrieg.

Der Krieg und der Regime Change im Irak waren aber bei den Amerikanern bereits beschlossene Sache. Also suchte Bush überall auf der Welt nach Gleichgesinnten. Gestützt auf die erlogenen Beweise formte sich um die USA eine "Koalition der Willigen".

Links ist die Originalliste zu sehen, die am 21. März 2003 der Presse vorgelegt wurde. Der Irak und Länder wie Afghanistan oder Nordkoera wurden zur "Achse des Bösen" gezählt, wie George W. Bush es immer wieder gesagt hatte. Bis auf den innersten Machtzirkel in der US-Regierung waren alle von der Glaubwürdigkeit der Zeugenaussagen von "Curveball" überzeugt. Anderen Nationen wurde bewusst verschwiegen, dass es keine verlässlichen Informationen aus dem Irak gibt.


Am Tag zuvor, dem 20. März, begann die Bombardierung von Bagdad und militärisch wichtiger Ziele im Irak. Anschliessend gab es eine grossangelegte Bodeninvasion und bereits am 1. Mai 2003 erklärte Bush den Krieg für gewonnen. Saddam Hussein wurde vor ein improvisiertes irakisches Gericht gestellt und zum Tode durch den Strang verurteilt. Daraufhin folgte eine Besatzung durch US- und Koalitionstruppen bis 2011. Seither ist der Irak ein gescheiterter Staat.


Im Nachhinein stellte sich heraus, dass jeder Grund für einen Krieg im Irak erlogen war. "Curveball" hat zugegeben, aus Geltungsdrang absichtlich die Unwahrheit erzählt zu haben. Die damalige Berichterstattung in den Medien war alles andere als ausgewogen. Viele Zeitungen und Fernsehsender haben ohne Überprüfung die Lügen von "Curveball" und der Bush-Regierung weitergegeben. Natürlich waren die Menschen im Westen grundsätzlich gegen Krieg, aber doch war man der Ansicht, dass Hussein eine Gefahr für den Weltfrieden darstellte.


Tragischerweise war der zweite Golfkrieg 1991 unter George H. W. Bush (Vater von Geroge W. Bush) auf einer ähnlichen Lüge aufgebaut. Damals behauptete die US-Regierung, dass irakische Soldaten Frühgeborene in kuwaitischen Spitälern getötet hätten (vgl. Brutkastenlüge). Beide Bushs, sowohl senior als auch junior, sind Kriegsverbrecher. Durch ihre Angriffskriege haben sie sich des Verbrechens der Aggression schuldig gemacht. Zusätzlich tragen sie als Oberbefehlshaber der Streitkräfte die Schuld an allen Menschenrechtsvergehen sowie all den Toten und Verwundeten auf beiden Seiten.


19 Ansichten0 Kommentare
 

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserem Newsletter:

Abo-Formular

©2020 massivedaily.com