Warum "Fact-Checking" gefährlich ist

Aktualisiert: 22. Nov 2020

Wie private Firmen den US-Präsidenten diffamieren

Ein Kommentar von Florin G.

22.11.2020

Im Vorfeld der US-Wahlen 2020 haben einige Soziale Netzwerke Warnhinweise eingeführt, die Nutzer vor Falschinformationen warnen sollen.

Ein Tweet von Präsident Trump wird mit einem Warnhinweis versehen. Wenn man dem Link folgt, landet man auf jenem Artikel, der unten abgebildet ist. Das Problem hierbei: Die "Richtigstellung" erfolgt aufgrund von Artikeln der AP (Associated Press).


Hier wird also eine Aussage von einem Regierungschef mit einem Warnhinweis versehen. Klar: Seine Aussage mag kontrovers sein, aber das gibt einem Konzern wie Twitter nicht das Recht, den Leser eines Besseren zu belehren, zumal die Quelle wiederum kein offizielles Organ der Staatsgewalt darstellt. Es werden also von einer privaten Institution die Worte einer offiziellen Stelle "gefact-checkt". Gerade dies macht das "Fact-checking" gefährlich. Konzerne setzen wirtschaftliche Interessen immer an erster Stelle. Daher ist es schwierig, dieser Meldung Glauben zu schenken.

Twitter ist aber nicht die einzige Plattform, die sich dem "Fact-checking" bedient. Instagram hat schon früher mit diesem Tool gearbeitet und hat es im Vorfeld der Wahlen auch immer wieder eingesetzt.

Weshalb aber ein Bild wie dieses markiert wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Es handelt sich hierbei lediglich um eine Gratulation zum hinduistischen Lichterfest. Keinerlei Zusammenhang zwischen den Wahlen und diesem Beitrag ist zu erkennen. Darüber hinaus gibt es keinen Nutzen für den User, wenn er dieses Informationsfeld betrachtet. Was sollen wir also mit dieser Aussage anfangen? Al Gore war auch der voraussichtliche Gewinner der Präsidentschaftswahl 2000. Dieser "Fact-check" könnte also selbst irreführend sein, aber dazu gibt es keine Richtlinien für Soziale Netzwerke.

Die grundsätzliche Idee ist gar nicht schlecht oder falsch, aber die Umsetzung ist fragwürdig. Es gibt keinerlei Richtlinien, wie solche "Fact-checks" angelegt werden. Twitter könnte daher völlig irreführende Markierungen anhängen und mit irgendwelchen Quellen "belegen". Natürlich sind AP und CNN nicht unbedingt unseriös, allerdings ist das "Fact-checking" gerade in diesem Beispiel nicht ausgewogen. CNN und Trump sind keine gute Kombination, er betitelt sie oft (zurecht) als "Fake News", und CNN kontert mit einer Berichterstattung, die kein gutes Haar am Präsidenten lässt.

Gerade weil es private Institutionen sind, ist es schwierig zu glauben, dass diese nur aus Liebe zur Wahrheit so handeln. Sobald es um Geld oder in diesem Fall um Macht geht, ist Vorsicht geboten. Einerseits kann der Nachrichtenfluss kontrolliert werden, was im schlimmsten Fall in Zensur endet. Andererseits wird so eine öffentliche Meinung geformt. Sollte es vor Gericht zu einem Sieg der Trump Campaign kommen, wäre das gesamte "Fact-checking" irreführend gewesen. Es wäre fatal, wenn die Öffentlichkeit vorgeführt werden würde.

In Europa ist dies sogar noch schlimmer. Die meisten grossen Medien, darunter auch SRF, haben bei den US-Wahlen eine einzelne Quelle benutzt. Schwierig, wenn eine gebührenfinanzierte Rundfunkanstalt nur ABC News als Referenz nutzt.


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