Was vom Arabischen Frühling geblieben ist

Heute vor 10 Jahren begann der Arabische Frühling, was geblieben ist:

Ein Kommentar von Florin G.

17.12.2020

Am 17. Dezember 2010 hat sich Mohammad Bouazizi selbst angezündet und damit einen politischen Flächenbrand in der Arabischen Welt angefacht. Der Tunesier war verzweifelt ob der Perspektivlosigkeit in seinem Land, die Politik schien nur sich selbst zu dienen. Die Antwort auf seine Verzweiflungstat war prompt. In vielen Staaten im Maghreb und dem Nahen Osten kam es zu Massenprotesten gegen die vielerorts totalitären Machthaber. Der "Arabische Frühling" hielt aber an den meisten Orten nicht lange und bracht statt Demokratie Krieg und Zerstörung. Ein Überblick über die wichtigsten Eckpunkte dieses Ereignisses:


In Tunesien gab es nach den Massenprotesten einen Regimewechsel. Präsident Ben Ali floh und das Land hielt erstmals freie Wahlen ab. Die aktuelle Regierung ist wohl demokratisch legitimiert, aber sie gilt als korrupt und handlungsunfähig.

Libyen wurde von den Protesten erfasst und schnell bildete sich eine bewaffnete Opposition. 2011 griff die NATO unter Führung der USA in Libyen ein und Gaddafi wurde getötet. Das Land befindet sich heute im Bürgerkrieg und ist ein de-facto gescheiterter Staat.

Hosni Mubarak konnte sich länger an der Macht halten als sein Amtskollege in Tunesien. Aber nach viel Druck aus der Bevölkerung und auch aus dem Ausland, trat er zurück. Es gab Wahlen, bei denen die Muslimbruderschaft als Sieger hervor ging. Anschliessend putschte das Militär sich an die Macht. Heute ist Ägypten eine Scheindemokratie, viele der alten Probleme existieren immer noch.

Die Lage in Syrien ist undurchsichtig. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es eine Vielzahl an Akteuren aus dem In- und Ausland, die das Gebiet destabilisieren. Begonnen hat es ähnlich wie in Tunesien oder Libyen, aber schnell wurden die Demonstrationen von viel Gewalt von beiden Seiten überschattet. Nach und nach verlor Präsident Assad die Kontrolle über sein Land. Durch das so entstandene Machtvakuum kamen Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" aus dem Irak nach Syrien. Wie in Libyen sah sich eine internationale Koalition bemächtigt, in den inneren Konflikt einzugreifen. Saudi-Arabien, USA, Frankreich und auch Grossbritannien beteiligten sich auf Seiten der Opposition in diesem Konflikt. Auf Seiten der Regierung trat Putins Russland in den Krieg ein. Offiziell wollten sich gemeinsam gegen den Islamischen Staat stellen, aber eigentlich sind hier geostrategische Überlegungen im Spiel.

In den Golf-Staaten gab es auch Anstalten, um die dort herrschende Klasse zu stürzen. Aber durch den massiven Einsatz der Sicherheitskräfte konnte der Status Quo erhalten bleiben.

Die Lage hat sich in den meisten dieser Staaten nicht verändert, eigentlich wurde es überall schlechter. Einige der Staaten sind gescheitert und befinden sich im Bürgerkrieg, andere haben die Kontrolle über die Bevölkerung ausgeweitet und wieder andere befinden sich in wirtschaftlicher sowie politischer Schieflage.


15 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen